Das Überstimmulationssyndrom

Beim Überstimmulationssyndrom, korrekt Überstimulationssyndrom (OHSS) handelt es sich um ein Problem, das zum Glück recht selten auftritt. Die Gabe von Hormonen an die betroffene Patientin bei einer künstlichen Befruchtung, um die Eierstöcke zu stimulieren, wird medizinisch als Ovulationsstimulation bezeichnet. Tritt die Komplikation des Überstimulationssyndroms auf, dann kann das Wohlbefinden leicht gestört sein. Sehr selten kommt es zu Zwischenfällen, die eine stationäre Aufnahme und Behandlung erfordern. Wie bei jedem Verfahren ist eine genaue Information der Patientin auch über die seltensten Komplikationen sinnvoll. Nur so fühlen sich betroffene Frauen gut beraten und aufgehoben.

Werden die Eierstöcke stimuliert, so geht dem eine genaueste Planung voraus. Der Vorgang selbst wird akribisch kontrolliert. Nicht immer lässt sich jedoch eine Überstimulation vermeiden. Das liegt darin, dass ausreichend Eizellen zur Verfügung stehen sollten, damit ein möglichst Erfolg versprechendes Ergebnis erzielt werden kann. Andererseits lässt sich im Vorfeld nur schwer einschätzen, wie der Körper im Einzelfall auf die künstliche Befruchtung reagiert. Diese Reaktionen sind bei jeder Patientin anders und leider nicht hundertprozentig vorauszusagen. Selbst wenn der Arzt sehr vorsichtig vorgeht, kann es zu einem Überstimmulationssyndrom kommen, wenn bestimmte Faktoren zusammentreffen. Meist lässt sich dies jedoch leicht und schnell mit den medizinischen Möglichkeiten beheben.

Woran erkennt man ein Überstimmulationssyndrom?

Je nachdem, wie schwer die Überstimulation ist, treten unterschiedliche Symptome auf. Vorstufen sind Unwohlsein, leichte Übelkeit oder Spannungsgefühl im Unterbauch. Doch auch bei einer völlig problemlos verlaufenden Stimulation können diese leichten Reaktionen auftreten. Gegenmaßnahmen sind hier nicht notwendig.

Als Symptom kann neben Unwohlsein, Übelkeit und leichten Schmerzen auch das Gefühl von Blähungen auftreten. Im Ultraschall wird freie Flüssigkeit (Aszites) nachgewiesen. Die Eierstöcke können vergrößert sein. Dabei handelt es sich um eine leichte Form der Überstimulation.

Bei einem schweren Verlauf sind neben Durchfall, Erbrechen und Übelkeit unter anderem Bauchschmerzen, Atemprobleme, eine veränderte Harnausscheidung (Oligurie), eine merkliche Bauchspannung durch Wasseransammlung im Bauch, Zwerchfelreizung sowie Oberbauchschmerzen möglich. Im Ultraschall sieht der Arzt vergrößerte Eierstöcke und die deutliche Wasseransammlung (Aszites).

Bevor die Symptome in voller Ausprägung auftreten, kündigen sie sich an, so dass schon frühzeitig geeignete Maßnahmen gegen ein Überstimmulationssyndrom angewandt werden. Schwere Störungen treten nur in 0,1 bis 2 Prozent aller künstlichen Befruchtungen auf und sind damit sehr selten.

Wie kann ein solches Überstimulationssyndrom entstehen?

Die Zusammenhänge, warum jemand verstärkt auf eine künstliche Befruchtung reagiert, sind noch nicht geklärt. Deshalb kann nicht gegen die Ursachen angegangen werden, sondern nur gegen die Symptome. Beobachtet wurde bisher eine tragende Rolle von hcGs und dem Hormon für die Gelbkörperstimulation. Diese treten bei einer künstlichen Befruchtung das erste Mal bei der Hormonstimulation im Körper der Frau auf. Das zweite Mal treten sie auf, wenn die Frau schwanger geworden ist. Besetht bereits ein Überstimulationssyndrom, so hat eine Schwangerschaft einen verstärkenden Effekt.

Es gibt bei der Überstimulation (OHSS) zwei Arten, „Early Onset“ und „Late Onset“. Das „Early Onset“ OHSS tritt schon in den nächsten Tagen nach der Punktion des Follikels auf. Die Komplikationen und Beschwerden vermindern sich ohne Schwangerschaft spätestens, wenn die nächste Menstruation eintritt. Das „Late Onset“ OHSS tritt erst zwischen 8 und 17 Tagen nach der Follikelpunktion auf. Es ist offensichtlich an den Beginn einer Schwangerschaft und die damit verbundene Hormonproduktion gekoppelt. Mit der Abnahme der Gelbkörperaktivität bessern sich die Symptome spontan. Dies ist ungefähr ab der 5. bis 6. Schwangerschaftswoche der Fall. 

Behandlung des Überstimulationssyndroms

Welche Therapie beim Überstimulationssyndrom angewandt wird, hängt von der Schwere des Verlaufs ab. Bei leichten Formen oder den Vorstufen reichen ausreichend Flüssigkeitszufuhr ab 3 Litern pro Tag, körperliche Schonung und Kühlung des Unterbauches, um die Durchblutung der Eierstöcke zu drosseln aus. Als Ernährung werden eiweißreiche Lebensmittel, wie Ei, Fleisch und Fisch empfohlen. Auch Eiweißshakes aus der Apotheke können hilfreich sein.

Bei einer schweren Form sollte entweder eine engmaschige ambulante Betreuung erfolgen. Es kann aber auch sein, dass eine Aufnahme in die gynäkologische Abteilung eines Krankenhauses nötig ist. Hier werden Infusionen angelegt, die Nierenfunktion zur Wasserausscheidung angekurbelt oder zur Verringerung des Drucks Punktionen durchgeführt. Die Flüssigkeitsausscheidung, die Blutwerte, der Bauchumfang und weitere wichtige Parameter können im Krankenhaus sehr gut überwacht werden. Es gilt, eine Thrombose oder gar ein Nierenversagen zu verhindern.

Nachdem das Überstimmulationssyndrom abgeklungen ist, bleiben meist keine Schäden zurück, weder für die Schwangere noch für den Fötus. Falls Beschwerden auftreten, sollten betroffene Patientinnen jedoch sofort mit den Ärzten im Kinderwunschzentrum Kontakt aufnehmen. Auch ein Anruf beim Frauenarzt oder beim Notrufdienst kann helfen.

 

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